Hilft Nachfahren von Buchstaben beim Schreibenlernen?
Ja, Nachfahren hilft, aber nur als erster Schritt. Nachfahren lehrt den Weg jedes Buchstabens, wo die Striche beginnen und in welche Richtung sie laufen, ohne dass ein Kind die Form aus dem Nichts bauen muss. Das Lernen, durch das Buchstaben wirklich sitzen, kommt, wenn Kinder die Leiter hochklettern: nachfahren, dann nach Vorlage schreiben, dann aus dem Gedächtnis. Kinder, die immer nur nachfahren, bleiben meist stecken.

Nachfahren hat in manchen Klassenzimmern einen schlechten Ruf und in anderen treue Fans, darum lohnt der Blick auf echte Belege. In einer Studie an der Indiana University ließen die Forscherinnen Karin James und Laura Engelhardt 5-Jährige, die noch nicht lesen konnten, auf drei Arten mit Buchstaben arbeiten: frei von Hand schreiben, nachfahren oder tippen. Danach betrachteten die Kinder Buchstaben in einem Hirnscanner. Nur die Kinder, die frei von Hand geschrieben hatten, zeigten Aktivität im Lesenetzwerk des Gehirns. Die Nachfahrer und die Tipper nicht.
Dieses Ergebnis macht Nachfahren nicht nutzlos. Es macht Nachfahren zu einem Startpunkt mit Ablaufdatum. Der ganze Weg nach oben hat drei Sprossen: nachfahren, nach Vorlage schreiben, aus dem Gedächtnis schreiben. Jede Sprosse trainiert etwas, das die darunter nicht kann, und Handschrift gilt erst ganz oben als gelernt.
Hilft Nachfahren Kindern wirklich beim Schreibenlernen?
Ja, für Anfänger, und für eine ganz bestimmte Aufgabe: Nachfahren lehrt den Weg. Jeder Buchstabe ist eine Folge von Strichen mit richtigem Startpunkt, richtiger Richtung und richtiger Reihenfolge, und ein Kind, das eine gut gemachte Vorlage nachfährt, spürt diesen Weg in der Hand, ohne etwas erfinden zu müssen. Das ist echtes Lernen, und es ist der sanfteste Einstieg, den es gibt.
Nachfahren verdient sich seinen Platz auf drei Arten. Es baut Stiftkontrolle auf einer verzeihenden Spur auf, weil das Ziel direkt unter der Spitze liegt. Es übt die richtige Strichfolge ein, bevor sich schlechte Gewohnheiten bilden, was später zählt, denn ein Buchstabe aus seltsamen Strichen wird langsam und unordentlich, sobald ein Kind schnell schreiben muss. Und es lässt ein Kind schon am ersten Tag einen schönen Buchstaben aufs Papier bringen, was mehr für die Motivation tut als jede Stickertabelle.
Was Nachfahren nicht kann: das Abrufen lehren. Ein nachgefahrener Buchstabe kommt vom Blatt, nicht aus dem Gedächtnis des Kindes, und echtes Schreiben läuft über das Gedächtnis. Die Ergebnisse aus Indiana zeigen in dieselbe Richtung: Buchstaben selbst zu erzeugen, Wackler inklusive, sprach das Lesenetzwerk auf eine Weise an, wie es das Folgen einer gedruckten Kontur nicht tat. Der Wackler scheint Teil der Sache zu sein. Die eigenen, wechselhaften, unperfekten Buchstaben eines Kindes lehren das Gehirn besser, was ein Buchstabe wirklich ist, als perfekte geführte Kopien es tun.
Was ist die Leiter vom Nachfahren zum Schreiben aus dem Gedächtnis?
Sie ist der natürliche Weg von voller Unterstützung zu gar keiner. Zuerst fährt ein Kind den Buchstaben nach und folgt mit dem Stift einer gedruckten Vorlage. Dann schreibt es ihn ab, schaut also auf eine Vorlage, formt den Buchstaben aber selbst. Zuletzt schreibt es ihn aus dem Gedächtnis, ganz ohne etwas zum Hinschauen. Jede Sprosse nimmt eine Stütze weg und trainiert eine neue Fähigkeit.
- Nachfahren: Der Stift folgt dem Buchstaben. Das trainiert Strichfolge, Richtung und Stiftkontrolle. Das Kind leiht sich die Form vom Blatt.
- Abschreiben: Der Buchstabe steht als Vorlage über oder neben der Schreiblinie. Das trainiert, die Form von Grund auf zu bauen und dabei mit einem Ziel zu vergleichen. Das Erinnern übernehmen die Augen.
- Aus dem Gedächtnis schreiben: keine Vorlage mehr. Das trainiert das Abrufen, die Fähigkeit, die beim echten Schreiben wirklich gebraucht wird. Jetzt gehört der Buchstabe dem Kind.
Abschreiben ist das unterschätzte mittlere Kind der drei. Hier passiert der größte Teil des sichtbaren Fortschritts, weil das Kind alles tut, was echtes Schreiben verlangt, außer sich zu erinnern. Gib dem Abschreiben mindestens so viel Zeit wie dem Nachfahren, meist mehr.
Die oberste Sprosse, das freie Schreiben, ist die mit dem Gewinn. Aus dem Gedächtnis zu schreiben ist das, was die Schule verlangt: Wörter im Diktat, ein Satz im Heft, der Name oben auf dem Blatt. Es ist auch die Sprosse, um die es in der Indiana-Studie geht, denn dort erzeugten die Kinder die Buchstaben selbst. Das Abrufen, das auf der Gedächtnissprosse entsteht, macht aus Handschrift statt einer Übung ein Werkzeug, das ein Kind wirklich nutzen kann.
Wann sollte mein Kind vom Nachfahren zum Abschreiben wechseln?
Wechsle hoch, sobald das Nachfahren leicht aussieht, und das kommt früher, als die meisten Eltern erwarten: bei einem einzelnen Buchstaben oft nach Tagen, nicht Wochen. Der Test ist simpel. Fährt dein Kind einen Buchstaben flüssig nach, startet ohne Erinnerung an der richtigen Stelle und bleibt nah an den Linien, ist dieser Buchstabe reif fürs Abschreiben.
Befördere Buchstabe für Buchstabe, nicht das ganze Alphabet auf einmal. Es ist völlig normal, dass ein Kind o und t aus dem Gedächtnis schreibt und q und z noch nachfährt, und die Mischung hält die Einheiten im Gleichgewicht: etwas Leichtes fürs Selbstvertrauen, etwas in Arbeit, etwas Neues. Auch Langeweile ist ein Beförderungssignal. Ein Kind, das sich durch eine Nachfahrzeile seufzt, ist ihr längst entwachsen.
Für den Schritt vom Abschreiben zum Gedächtnis nimm den Abdecktrick, in Schulen oft gelehrt als anschauen, abdecken, schreiben, prüfen. Dein Kind prägt sich die Vorlage ein, du deckst sie mit der Hand oder einer Karte ab, es schreibt den Buchstaben, dann deckt ihr sie zusammen auf und vergleicht. So wird Abschreiben Versuch für Versuch zu Abrufen, und die meisten Kinder nehmen es als Spiel, nicht als Test.
Ein Blatt mit erst nachfahren, dann abschreiben nimmt dir den Großteil dieser Planung ab. Jede Zeile der druckbaren Übungsblätter zum Schreiben beginnt mit Buchstaben zum Nachfahren und endet mit einer leeren Linie, die Leiter steckt also schon in der Seite. Der kostenlose Generator für Namens-Nachfahrvorlagen macht dasselbe mit dem eigenen Namen deines Kindes, dem Wort, mit dem es die Leiter am liebsten zuerst hochklettert.
Was passiert, wenn ein Kind immer nur nachfährt?
Es tritt auf der Stelle, und dieses Plateau ist tückisch, weil die Arbeit weiter großartig aussieht. Nachgefahrene Seiten werden ordentlich, alle fühlen sich produktiv, und dabei lernt das Kind womöglich sehr wenig, denn eine Hand kann einer Linie folgen, während die Gedanken ganz woanders sind. Lehrkräfte kennen das Muster gut: eine Mappe voller schöner nachgefahrener Seiten und ein Kind, das vor dem leeren Blatt erstarrt.
Es gibt einen schnellen Test, ob sich das Nachfahren seinen Platz noch verdient. Bitte dein Kind am Ende einer Einheit, einen der gerade nachgefahrenen Buchstaben auf ein leeres Blatt zu schreiben. Kommt ein erkennbarer Buchstabe heraus, füttert das Nachfahren echtes Lernen. Erstarrt es oder entsteht etwas ohne Bezug, ist die Übung hohl geworden und es ist Zeit für die nächste Sprosse.
Zu lange beim Nachfahren zu bleiben ist wohl der häufigste Fehler beim Schreibüben zu Hause, und er entsteht meist aus Freundlichkeit. Nachfahren ist ruhig, ordentlich und tränenfrei, Abschreiben ist unordentlicher, also richten sich Familien dort ein, wo der Frust am kleinsten ist. Aber das leichte Ringen auf der nächsten Sprosse ist das Gefühl der echten Fähigkeit, die gerade entsteht. Etwas Wackeln und Anstrengung ist ein Beweis für Fortschritt, kein Grund zum Rückzug.
So baust du die Stützen ab
- Volles Nachfahren: hellgraue oder gepunktete Buchstaben, denen der Stift komplett folgt.
- Teilweises Nachfahren: ein Startpunkt und eine blasse Kontur, sodass das Kind mehr von der Form selbst liefert.
- Abschreiben: ein Vorlagenbuchstabe am Zeilenanfang, danach eine leere Linie.
- Gedächtnis: nur die leere Linie. Hol die Vorlage kurz zurück, wenn ein Buchstabe auseinanderfällt.
Geh einen Schritt vor, sobald sich der aktuelle Schritt bequem anfühlt, und einen Schritt zurück, nie ganz nach unten, wenn ein Buchstabe schlechter wird. Die Leiter läuft in beide Richtungen, und keine Sprosse ist ein Scheitern. Zurückzugehen und einen schlampig gewordenen Buchstaben abzuschreiben ist genau der Gebrauch, für den die Leiter gedacht ist.
Wie kombiniere ich Nachfahren, Abschreiben und Gedächtnis in einer Einheit?
Nutze alle drei in einer kurzen Einheit, gewichtet nach dem Stand deines Kindes. Ein echter Anfänger fährt vielleicht fast nur nach und versucht ein einziges Abschreiben. Ein Vorschulkind fährt einen neuen Buchstaben nach, schreibt zwei vertraute ab und schreibt zum Schluss seinen Namen aus dem Gedächtnis. Fünf bis zehn Minuten reichen für alles.
- Eine Minute: den neuesten Buchstaben ein paarmal nachfahren, groß und langsam.
- Ein paar Minuten: frisch gelernte Buchstaben abschreiben, je eine Zeile, mit der Vorlage am Zeilenanfang.
- Ein bis zwei Minuten: die Gedächtnisrunde. Deck alles ab und lass die ältesten, vertrautesten Buchstaben schreiben, oder den Namen.
- Letzte Minute: Dein Kind kreist seinen besten Buchstaben des Tages ein.
So eine Mischung berührt in jeder Einheit jede Sprosse, alte Buchstaben rosten nicht, während neue aufsteigen. Werden die Einheiten lang oder kippt die Stimmung, kürze lieber die Dauer als die Gedächtnisrunde. Unser Guide dazu, wie lang Schreibübungen dauern sollten, erklärt, warum fünf gute Minuten zwanzig widerwillige schlagen, und der Guide zu multisensorischen Übungen ergänzt Wege, dieselben Formen abseits des Papiers zu üben.
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